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Die Reise eines Wassertropfens

Nach einem Sommerregen beobachtete eine Kindergruppe, wie Wasser von den Blättern in kleine Pfützen tropfte. Eine Betreuerin fragte, wo die Pfützen wohl nach einigen trockenen Tagen bleiben würden. Einige Kinder vermuteten, das Wasser verschwinde einfach im Boden. Andere meinten, es steige wieder in die Luft. Aus dem Gespräch entstand ein kleines Projekt über den Wasserkreislauf. Die Gruppe stellte eine flache Schale mit Wasser an einen geschützten sonnigen Platz und markierte ihren Füllstand. Eine zweite Schale stand im Schatten. Beide sollten regelmäßig kontrolliert werden, ohne zusätzliches Wasser einzufüllen. Bei den Beobachtungen fiel auf, dass die Wassermenge unterschiedlich schnell abnahm. Die Betreuerin erklärte, dass flüssiges Wasser verdunsten kann und als unsichtbarer Wasserdampf in die Luft gelangt. Unter geeigneten Bedingungen kann dieser Dampf später wieder zu winzigen Tröpfchen kondensieren. Wolken bestehen aus solchen kleinen Wassertröpfchen oder Eiskristallen, nicht aus großen schwebenden Wasserblasen. Wenn die Teilchen wachsen und die Bedingungen passen, kann Niederschlag entstehen. Ein Teil des Wassers versickert anschließend im Boden, ein anderer fließt über Bäche und Flüsse weiter oder wird von Pflanzen aufgenommen. Um den Kreislauf anschaulicher zu machen, zeichnete jedes Kind einen möglichen Weg eines einzelnen Wassertropfens. Die Bilder sahen sehr unterschiedlich aus. Auf einem landete der Tropfen zunächst im Meer, auf einem anderen wurde er von einer Wurzel aufgenommen. Die Betreuerin betonte, dass der Kreislauf kein einziger geschlossener Rundweg mit festen Stationen ist. Wasser kann lange Zeit im Boden, in Seen, im Eis oder in anderen Speichern verbleiben. Am Ende kehrten die Kinder zu den beiden Schalen zurück und verglichen ihre Notizen. Sie verstanden, weshalb die ursprüngliche Frage mehr als eine einfache Antwort hatte. Die kleine Pfütze vor der Tür war Teil eines großen Systems, das Wetter, Landschaften und das Leben auf der Erde miteinander verbindet. Bei einem späteren Spaziergang achteten die Kinder auf Regenrinnen, feuchte Erde und Wasser an den Fenstern. Sie begannen, die Vorgänge aus dem Projekt überall wiederzuerkennen. Die Natur hatte sich nicht verändert, wohl aber ihre Art, alltägliche Erscheinungen wahrzunehmen und Fragen dazu zu stellen.